Strategische Denkweise und Daten und Informationen, im Sinne eines analytischen Vorgehens, ergeben eine Einheit: Die StrategieentwicklungDaten und Informationen vorliegen werden niemals die Zukunft exakt vorhersehbar oder planbar machen können. Somit es wird immer eine Lücke zwischen Daten und Informationen einerseits, und der strategischen Lösung andererseits geben geben. Diese Lücke kann nur mit Hilfe strategische Denkweise überbrückt werden.

Kurz zusammengefasst

  • Ergänzung von Daten und Informationen: Strategisches Denken überbrückt die Lücke zwischen Daten/Informationen und der beabsichtigten, strategischen Lösung.

  • Kreativ und induktiv: Strategische Denkweise ist ein kreativer, intuitiver und induktiver Prozess um Möglichkeiten und Chancen zu erkunden, nicht um Richtungen zu setzen oder Entscheidungen zu treffen!

  • Operative Hektik: Strategische Denkweise erfordert einen Abstand zur operativen Hektik, um das „große Ganze“ betrachten und verstehen zu können

Daten und Informationen sind kein Ersatz für strategisches Denken

Würde es bes bei der Strategieentwicklung ausschließlich auf Daten und Informationen ankommen, oder allgemein auf all das was man beobachten kann, wäre die Strategieentwicklung ein rein konsistenter, analytischer Prozess, dessen Ergebnis immer gleich zu demjenigen wäre, dem die gleichen Daten zugrunde liegen. Das ist aber nicht der Fall. Woher kommt also dann der innovative Charakter, das Neuartige und differenzierende einer guten Strategie?

Erfolgreiche Strategien, im Sinne einer wertbringenden und differenzierenden Antwort, werden von solchen entwickelt, die in der Lage sind sich Realitäten vorzustellen, die sich andere nicht vorstellen können. Strategische Denkweise bedeutet also sich Dinge anders und neu vorzustellen.  Und bedeutet somit nicht, dass wir alle das gleiche auf Grundlage der gleichen Daten, Informationen und Wissensstände sehen – um somit die gleichen Schlussfolgerungen ziehen.

Strategisches Denken bedeutet induktiv vorzugehen

Strategische Denkweise ist eine induktive Vorgehensweise. Bestandteile sind also die Beobachtung, die Deutung und die Ableitung von Theorien.

Daten und Informationen sind absolut notwendig. Die kreative und induktive Verarbeitung und Schlussfolgerung können Daten und Informationen nicht übernehmen, das kann nur die strategische Denkweise. Das bedeutet nicht, dass die strategische Denkweise losgelöst ist von einer gewissen Stringenz, bzw. Logik. Im Gegenteil: Strategisches denken ist – wie zuvor kurz erwähnt – eine kreative, induktive Herangehensweise.

Induktiv bedeutet, dass beobachtet wird. Daten, Informationen und Wissen werden reingeholt, dieser wird Input wird analysiert analysiert und gedeutet, und basierend auf dieser Deutung wird eine Theorie erstellt mit der ein entsprechendes, strategisch relevantes Problem gelöst werden soll. Es ist diese Theorie, die eine ganz spezielle fokussierte Betrachtungsweise auf eine Chance darstellt, durch die der Strategieentwicklungsprozess und letztlich die Strategie die Einzigartigkeit und Unterscheidbarkeit bekommt.

“Die Theorie bestimmt, was wir beobachten können” (Albert Einstein)

Strategische Denkweise ist daher kein “ich male mir die Welt wie sie mir gefällt” Prinzip, sondern ähnelt durch die induktive Herangehensweise einem wissenschaftlichen Prozess (Beobachtung, Deutung, Ableitung einer Theorie). Aus der Theorie lassen sich schließlich weitere Hypothesen ableiten, und daraus wiederum Experimente, wie bspw. MVPs, mit denen Hypothesen im Marktumfeld getestet werden können.

Vorsicht vor dem Confirmation Bias

Da Menschen und Organisationen stets im Sinne ihrer eigenen Systemaufrechterhaltung nach Stabilität und Orientierung streben, wird dementsprechend stets versucht Unsicherheiten und Unklarheiten zu vermeiden. Genau aus diesem Grund versuchen Menschen und Organisationen immer und überall Muster zu erkennen. Dieses Streben erhöht aber die Gefahr – in Kombination mit operativer Hektik – , dass durch persönliche Meinungen, oder Annahmen und Präferenzen, bspw. durch Lebenserfahrung, Berufserfahrung, Ausbildung fachlicher Expertise, selektiv nur solche Informationen ausgewählt, verwendet und interpretiert werden, die den eigenen Meinungen und Annahmen entsprechen (Confirmation Bias). Die fehlende Bereitschaft Unsicherheiten zu akzeptieren, Zeitmangel, Operative Hektik und die daraus resultierende Selbstüberschätzung schon zu wissen wie sich Dinge entwickeln werden und was getan werden sollte, sind die größten Hemmschuhe der strategischen Denkweise.

Voraussetzungen für die strategische Denkweise

Um strategisch denken zu können, sind folgende Punkte notwendig:

  • Die richtige mentale Grundhaltung: Entscheider müssen sich bewusst machen, dass Unsicherheiten niemals vermieden werden können und somit akzeptiert werden müssen.

  • Entkopplung von operativer Hektik: Entscheider müssen sich von der operativen Hektik loslösen, nur so das große Ganze gesehen werden – die systemischen Zusammenhänge. Zudem verzerrt die tägliche Arbeit der Symptombewältigung, einhergehend mit Routinen, zu sehr Annahmen und kognitive Haltungen, wodurch eine freie strategische Denkweise, im Sinne einer Beobachtung der zweiten Ordnung, nicht möglich ist. Strategisch denken zu können bedarf also eines gewissen Abstands und einer gewissen Ruhe und Zeit. Nur so können Dinge im konstruktiven Sinne hinterfragt werden.

  • Interne und externe Netzwerke aufbauen: Nicht nur für den analytischen Teil der Strategieentwicklung ist es notwendig mit Hilfe von Netzwerken Daten und Informationen zu integrieren. Auch für die strategische Denkweise müssen Netzwerke aufgebaut wurden, um unterschiede Perspektiven einzubeziehen. Das ist wichtig um bestehene Annahmen, Denkmuster und Denkstrukturen durchbrechen zu können, und um letztlich auch dem Confirmation Bias vorzubeugen. Austausch ist somit ein wesentlicher Erfolgsfaktor für eine erfolgreiche strategische Denkweise.

  • Arbeiten mit Modellen und Werkzeugen: Werkzeuge und Modelle aus Psychologie und Betriebswirtschaft helfen, Dinge, Situationen und damit auch die eigenen Annahmen besser zu reflektieren. Sie dienen somit der strategischen Denkweise. Modelle und Tools, wie die BCG-Matrix, die SWOT-Analyse, der morphologische Kasten, die Rumsfeld-Matrix oder viele andere, sollten nicht nur als Visualisierungshilfen für Präsentationen dienen, sondern auch als Instrumente im Rahmen der Strategieentwicklung und damit des strategischen Denkens eingesetzt werden.