Gegenstand der Organisationsentwicklung ist nicht die isolierte Betrachtung einzelner entwicklungsbezogener Fragestellungen innerhalb eines Unternehmens, sondern vielmehr die Organisation als eine eigene systemische Gesamtheit, aus der sich Probleme und Notwendigkeit ergeben, die eine Organisationsentwicklung erfordern. Denn sowohl in der mikroökonomischen Unternehmenstheorie als auch nach wie vor in der Praxis weit verbreitet, wird das Unternehmen auf eine Entscheidungseinheit reduziert.

Typische Annahmen

Dabei stehen vor allem folgende drei Annahmen im Vordergrund:

  • Das Unternehmen verfolgt die Ziele der Gewinn- und Nutzenmaximierung.
  • Die optimale Kombination von Produktionsfaktoren stellt das wesentliche betriebswirtschaftliche Problem dar.
  • Die Organisation funktioniert.

Letztere Annahme ist vor allem darauf zurückzuführen, dass eine Organisation auf einzelne ihrer Bestandteile reduziert wird, da sie greifbarer sind, als die Organisation als systemische Gesamtheit. Vergleichbar ist das mit der Bewertung eines Gesundheitszustandes, der zum einen lediglich auf isoliert und somit zusammenhangslos voneinander beobachtete physiologische Eigenschaften beruht, und zum anderen nicht einmal psychologische Dimension mit berücksichtigt.

Die Annahme ist also, dass die Organisation selber keinen Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen hat, und somit für das Erreichen unternehmerischer Ziele nicht von Nöten ist.

Entlang dieser Logik können rationale Entscheidungen gemäß ihrer Zielintention also umgesetzt werden, ohne dass die Organisation dabei selbst als mögliche Quelle für Probleme oder aber auch für Möglichkeiten in Betracht gezogen wird.

Die Organisationsentwicklung betrachtet ein Unternehmen als ein soziales System in seiner Gesamtheit, und fokussiert sich somit auf die Menschen, Strukturen und Prozesse innerhalb dieses Systems.

Organisation als System

Die Organisationsentwicklung macht aber genau dies: Sie betrachtet ein Unternehmen als ein soziales System in seiner Gesamtheit. Die Herausforderung für die Organisationsentwicklung besteht nun darin, dass soziale Systeme auf der einen Seite trotz einer ständigen Dynamik in der Regel immer versuchen ein dynamisches Gleichgewicht zu erreichen, auf der anderen Seite aber dennoch aufgrund der unterschiedlichsten Veränderungsdrücke wie zum Beispiel neue Technologien, Markt- und Wettbewerbsveränderungen oder Restrukturierungen die Fähigkeit besitzen müssen sich zu verändern.

Ein soziales System wie Unternehmen benötigen daher sowohl ein dynamisches Gleichgewicht, als auch die Fähigkeit sich zu verändern. Je mehr ein Unternehmen von Mitarbeitern ist, von ihrem Wissen, von ihrer Expertise, ihrer Motivation und ihrem Vertrauen in das Unternehmen, desto wichtiger ist Organisationsentwicklung.